29. Oktober 2020
Verfasserinnen und Texte: Miriam Kastlunger und Elena Zuenelli

Feedback zweier Teilnehmerinnen zum Aufnahmeverfahren "Vorbereitungskurs zur Eignungsprüfung (Deutscher Masseur)"

 

Miriam Kastlunger, OLY:

„Vorab ein Online-Aufnahmegespräch war anfangs neu und ungewöhnlich für viele von uns, jedoch für mich eine sehr willkommene und individuelle Strategie bei einer Vielzahl von Anmeldungen nicht einfach auszusortieren sondern die passenden Menschen für diese Ausbildung auszuwählen.

Der anschließend schriftliche und praktische Test brachte manch klassische Übungen jedoch auch sehr berufsspezifische Anforderungen mit sich.

Für mich persönlich war diese Art ein Aufnahmeverfahren zu gestalten super gelöst. Es kam viel auf Persönlichkeit, Auftreten und Gefühl im Umgang mit Patienten an. Meiner Meinung nach essentielle Bestandteile des Praxislebens.“

 

Elena Zuenelli:

Ein zweiter Anlauf...

Die Aufregung war groß als es hieß, man könne an der Aufnahmeprüfung für den Vorbereitungskurs zur Eignungsprüfung (Deutscher Masseur) noch teilnehmen. Keine zwei Wochen mit dem Heilmasseur fertig, ging es nach Innsbruck zur eufag, um da mein Glück zu versuchen.

Diese Ausbildung zur Physiotherapeutin ist seit ich denken kann mein größter Traum und man hörte von allen Seiten nur Gutes von Bad Birnbach, deswegen war die Entscheidung des Wohin schnell getroffen.

Schon am Weg nach Innsbruck wuchs die Anspannung und wurde auch während den verschiedenen Prüfungen nicht wirklich besser. Ich fühlte mich wahnsinnig unsicher und merkte, dass mir gründliche Vorbereitung die fehlende Sicherheit gegeben hätte. Die anderen Teilnehmer waren viel gelassener und selbstsicherer und gingen mit Ruhe und genügend Konzentration hinein und gaben ihr Bestes.
Mit dem Ende des letzten Aufgabenteiles wurde mir endgültig bewusst, dass dieser Versuch daneben gegangen war.
Nach einigen Tagen voll letzter Hoffnung kam dann auch, wie erwartet, die Absage.

Zuerst wollte ich das Thema Physiotherapie damit abhaken und mich in andere Richtung orientieren, wurde aber glücklicherweise von verschiedenen Seiten ermutigt, erstmal abzuwarten und es dann erneut zu probieren.

Gesagt getan, ging diesen Februar die Bewerbung erneut an die eufag und ich bereitete mich dieses Mal mit neuer Motivation auf die Aufnahmeprüfung vor. Das Wichtigste ist, Vertrauen in sich selbst zu haben. Wenn man sich sicher ist und sein Ziel klar vor Augen hat, ist der Rest nur noch eine Frage der Zeit.

Ich habe mich anfangs fast geschämt keinen Platz bekommen zu haben und war zu stolz diese Energie erneut aufzubringen. Da ich auch die Heilmasseur Prüfung doppelt ablegen musste, war meine Prüfungsangst nicht förderlich für diese Herausforderung.

Aus heutiger Sicht bin ich wirklich froh, dass ich nicht beim ersten Anlauf genommen wurde, ansonsten hätte ich niemals gelernt mit solch einer Situation und dem damit verbundenen Rückschlag umzugehen. Schon das Gefühl nach dem ersten Gespräch, Covid 19 bedingt online, war viel positiver als im Jahr zuvor. Dies setzte sich glücklicherweise auch bei der restlichen Prüfungsteilen fort und ich ging für mich mit der Zufriedenheit hinaus, dass ich mein Bestes gegeben hatte. Als dann endlich das erfreuliche Ergebnis da war, dass ich dieses Jahr einen Ausbildungsplatz erhalten hatte, wusste ich nicht mehr wohin mit meiner Euphorie und Dankbarkeit. Ich kann wirklich nur jedem an’s Herz legen sich von einer Absage nicht abschrecken zu lassen und es gegebenenfalls erneut zu versuchen.

Die Freude danach ist den Nervenkitzel zuvor mehr als nur wert. Gebt alles, außer auf!

19. Oktober 2020
Verfasser: Werner Schallhart
Text: Romy Schnaubelt

Vorbereitungslehrgang zur Eignungsprüufng (Deutschen Masseur)

ZWISCHENBILANZ

10 Jahre! So lange bieten wir, die eufag einen alternativen Zugangsweg zu einem der begehrten Physioausbildungsplätze für Österreicher an.

Mein Herz klopft! Ich lege auf! Schaue abwesend zum Fenster hinaus und höre den Satz in meinem Kopf nachhallen: „Sie werden von unserem Anwalt hören!“ Eine Mutter hat ihn mir gerade durchs Telefon gebrüllt, erzürnt und außer sich. Weil ihre Tochter in diesem Jahr nicht zum Zug kam einen der begehrten Ausbildungsplätze zu erhalten.

Ich weiss noch genau, wie sich 2008 für mich der Gedanke anfühlte, einer von mehr als 600 Bewerbern zu sein auf einen von 24 Studienplätze zum Physiotherapeuten. Und sollte ich das unfassbare Glück haben, tatsächlich genommen zu werden, würde das 3 Jahre Ausbildung bedeuten. Alles, was ich aus meinem bisherigen Berufsleben als ausgebildeter Heilmasseur mitbringe, bliebe unberücksichtigt, fast nichts davon würde anerkannt werden. Ich würde noch einmal ganz von vorn beginnen müssen und das mit meinem Alter.

Etwas in mir sagte damals „Nein“ dazu, aber der Wunsch, Physio zu werden, blieb.

Meine Matura habe ich nachgeholt. Masseur wollte ich werden. Später noch Heilmasseur und noch viel später arbeitete ich als Lehrer für Masseure an der Eurak. Dort entstand meine Freundschaft mit Stefan, damals wie heute, Leiter der Massageausbildung im AZW.

Vor über zwölf Jahren sprachen wir knapp 2 Flaschen Wein lang auf seinem Balkon über meinen Wunsch, jetzt noch Pysio zu werden und die minimal realistischen Möglichkeiten, das in Österreich zu realisieren. Immer wieder pendelten unsere Gedanken zwischen „Es muss doch einen Weg geben!“ und „Wie könnte es denn gehen?“

Wir haben es einfach gewagt und angefangen, eine Idee umzusetzen. Eine solche Möglichkeit zu schaffen, die von der Nostrifizierungsstelle des zuständigen Ministeriums in Wien nostrifiziert ist. Und später durch einen gemeinnützigen Verein angeboten wird, um mehr Menschen einen alternativen Zugangsweg zur Physiotherapieausbildung zu ermöglichen.

Die Aussicht, Chancen auf Veränderung und Wachstum zu ermöglichen, hat uns die ganzen zwei Jahre durch Höhen und Tiefen getragen. Ungezählte Arbeitsstunden, Geld, Recherchen und viele Verhandlungen mit den Ämtern und Behörden später haben wir es geschafft: In Bad Birnbach (Deutschland) wird 2010 erstmals das Modul „Vorbereitungskurs zum Deutschen Masseur“ angeboten. Das mit der Zertifizierung war uns wichtig. Damit es keine Komplikationen mit der Anerkennung gibt musste der Lehrplan wasserdicht sein. Ich weiss nicht mehr genau, wieviele Runden wir dafür mit der juristischen Abteilung des zuständigen Mininsteriums gedreht haben. Aber irgendwann sind wir tatsächlich am Ziel: Die eufag ist Kooperationspartner der VPT Berufsfachschule Niederbayern (Deutschland) und ermöglicht jedes Jahr 20 österreichischen MasseurInnen einen alterativen Weg zum Physio an der VPT-Berufsschule für Massage und Physiotherapie in Deutschland. Zertifiziert und anerkannt durch die Nostrifizierungsstelle in Wien.

Wir machen das seitdem kostendeckend, ohne Gewinn. In den ersten Jahren hatten wir in etwa so viele Bewerber wie wir Plätze vergeben konnten. Das hat sich verändert. Einerseits ist die Nachfrage stetig größer geworden. 33 in diesem Jahr.  Andererseits wurde die vormals rein private Schule Bad Birnbach vor zwei Jahren ein öffentliches Ausbildungszentrum. Die Deutschen wollen ihre von deutschen Steuergeldern finanzierten Plätze verständlicherweise lieber an Deutsche vergeben. Wie viele Gespräche haben wir geführt, bis klar war: Wir dürfen weiterhin Kooperationspartner sein, auch wenn unser Kontingent an Plätzen auf 15 gesunken ist.

Das Telefon klingelt und reißt mich aus meiner Gedankenreise durch die letzten zwölf Jahre. „Wollen wir was essen gehen?“ fragt Stefan am anderen Ende. Mir fällt wieder die aufgebrachte Mutter ein. „Du kommst wie gerufen, voll gern!“ Seufzend macht sich etwas in mir Luft und ich lege auf.

Auf der Fahrt zum Essen mit meinem Freund Stefan denke ich an Afrika. Ich war oft und lange dort. Bilder huschen durch meine Erinnerung, Gespräche… Ich erinnere mich an eine Begegnung: „Was uns wirklich weiterbringt, ist weniger der Brunnen, der gebaut wird, es ist Bildung. Zugang zu Bildung zu haben ist großartig, es verändert alles! Dieser Zugang ist nicht selbstverständlich.“

„Ich bin hin und her gerissen“ sage ich zu Stefan. „Einerseits vergeben wir Chancen und ermöglichen damit Veränderungen, die sonst vielleicht nicht möglich wären. Das ist großartig. Und wir müssen irgendwie eine Auswahl treffen unter den Bewerbern, es sind einfach zu viele. Dieses auswählen finde ich auch schwierig, manchmal fühle ich mich richtig schlecht.“ Meine Nudeln stehen unberührt vor mir. „Dieses Jahr war es heftig, Leute sind ziemlich aggressiv. Vielleicht auch wegen der Corona Situation. Aber vielleicht auch, weil sie es irgendwie als selbstverständlich nehmen, alle Möglichkeiten angeboten zu bekommen. Mir wurde mit dem Anwalt gedroht. Wir würden angeblich Menschen Wege verbauen.“ Meine Nudeln werden kalt. „Vielleicht sollten wir aufhören.“

Stefan schluckt. Einmal an der Stelle mit dem Anwalt und ein zweites mal an der Stelle mit dem aufhören. „Ja,“ sagt er dann „das ist echt heftig“. Aber mal nüchtern betrachtet: Bei uns liegt die Chance auf so einen Platz bei ungefähr 25%. An der FH bei 2,5%!“ Er macht eine Pause. „Wir verbauen niemandem etwas, diese Option in Bad Birnbach gibt es überhaupt nur, weil es uns wichtig war sie zu schaffen, weil wir zwei Jahre für diese Idee geackert haben - mit ungewissem Ausgang damals. Du wolltest ja nicht nur selbst Physio werden, sondern etwas ermöglichen, was vorher nicht möglich war, auch für die, denen sonst vielleicht nicht mehr alles offen steht. Über 250 Leuten haben wir bis heute ermöglicht, ihren Traum zu erfüllen. Die würden dann auch leer ausgehen.“

Ich atme noch einmal seufzend aus und nicke stumm. Er hat Recht, aber es fühlt sich gerade trotzdem nicht gut an.

„Ich hab noch einen guten Rotwein im Keller“ setzt Stefan nach. „Wie wärs damit auf meinem Balkon?“

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